Bundesliga - erschwinglich

Leo Kirch ist pleite. Die Fußballindustrie kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Milliarden Euro für die Fernsehrechte regelmäßig über die Vereine regnen. Anderswo in der Welt sind die Millionengehälter für die Kickerstars aber nach wie vor kein Problem, also wandern sie ins gegnerische Ausland ab. An ihrer Stelle gemeinnützige Vereinsmitglieder aufs Spielfeld zu schicken, ist vielleicht nicht so eine gute Idee, denn die wollen sich lieber zu eben dieser Zeit im Fernsehen Fußball anschauen. Vielleicht haben einige auch nicht ganz die spielerischen Qualitäten der Superstars. Also was tun?

Dass eisern gespart werden muss, liegt auf der Hand. Aber woran? Die zahlreichen Kassenhäuschen an den Stadioneingängen müssen nicht alle besetzt sein. Da die meisten Besucher ihre Karten im Vorverkauf erworben haben, reichen ohnehin einige Kartenabreißer, die einfach im Freien stehen können. Die Häuschen lassen sich dann an Studenten vermieten. Nur wenige Abreißer genügen schon - dann steht die Schlange der Wartenden nicht zwei Stunden, sondern einen halben Tag. Damit ist mit derselben Klappe eine zweite Fliege erschlagen: Das Verkehrschaos entzerrt sich, weil sich der Schlachtenbummlerverkehr auf eine viel längere Zeit verteilt und somit verdünnt.

Aber so ein Kartenabreißer verdient nicht sehr viel, falls er nicht ohnehin ehrenamtlich arbeitet. Die Einsparung hält sich also in Grenzen. Das moderne Geschäftsprinzip "lean business" kann jedoch auch hier greifen. Warum sollen im Training nur elf Spieler plus ein paar Ersatzleute auf dem riesigen Spielfeld sein? Es reicht für Hunderte, also die komplette Bundesliga, die dann nur noch einen einzigen Trainer braucht. Der könnte übrigens auch die Karten abreißen, weil unmittelbar vor dem Spiel kein Training mehr stattfindet. Spieler, die gerade ein Lauftraining absolvieren, nehmen einfach die Kreidekarre mit und ziehen nebenbei die Linien nach. Andere können einen Rasenmäher mit sich führen. Das Krafttraining kann darin bestehen, die Flutlichtmasten zu erklimmen. Was spricht dagegen, bei dieser Gelegenheit ein paar defekte Birnen auszutauschen?

Überhaupt ist es ein eigen Ding um diese Masten. Der Zuschauer sieht genauestens jedes Fowl, muß jedes Tor gegen seine Lieblingsmannschaft mit ansehen, wird genervt vom Anblick der feindlichen Schals und Mützen in der gegnerischen Kurve. Wozu? Statt teure Lampen zu tragen, die teuren Strom verbrauchen, können die Masten ebenso gut für Bunjee-Abenteuer vermietet werden.

Zugegeben, das macht diesen Sport für viele Zuschauer weniger attraktiv. Die Stadions werden sich auch bei Schlagerspielen nicht mehr gänzlich füllen. Aber sehr viel mehr als die Eintrittsgelder bringt es, wenn man dann konsequenterweise auch Teile des Stadions, z.B. die Tribüne, an Studenten vermietet.

All das ist aber noch nicht ausreichend, um die ausbleibenden Kirch-Milliarden aufzufangen. Am teuersten sind noch immer die Gehälter der Spieler. Sie kürzen? Auf keinen Fall! Wir wollen unsere Stars doch nicht ans Ausland verlieren. Aber wir brauchen nicht mehr so viele davon. Statt elf teure Gehaltsempfänger einem Ball nachjagen zu lassen, ist es erheblich billiger, wenn ein Spieler in 90 Minuten versucht, 11 oder 22 Bälle ins Tor zu kriegen. Ein einziges Tor wäre dafür übrigens völlig ausreichend; das andere lässt sich ebenfalls an einen Studenten vermieten; tapeziert ist es ruck-zuck. Eigentlich genügt dann auch ein halbes Spielfeld. Die andere Hälfte brächte als Bauland oder Naherholungsgebiet mit Würstchenbuden eine gute Einnahme.

Oder wir spielen nur noch Völkerball. Ist eh‘ gesünder.


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