Ambrose Bierce (1842-1914) definierte in seinem »The Cynic's Wordbook« (das Wörterbuch des Zynikers):

Patriot subst. masc.
Jemand, dem die Interessen eines Teils über die Interessen des Ganzen gehen. Der Gimpel der Politiker und das Werkzeug der Eroberer.

Patriotismus subst. masc.
Entflammbarer Müll, der für die Fackel des Ehrgeizlings bereitliegt, welcher seinen Namen ins rechte Licht rücken will.
In Dr. Johnsons berühmtem Wörterbuch wird Patriotismus als die letzte Zuflucht eines Schurken definiert. Mit aller gebührenden Hochachtung für einen aufgeklärten, aber geringeren Lexikographen bitte ich, vorschlagen zu dürfen, daß es die erste ist.

Paß subst. masc.
Ein Dokument, das einem ins Ausland reisenden Bürger heimtückischerweise aufgezwungen wird, um ihn allerorten als einen Fremden zu kennzeichnen und Schimpf und Schande in besonderem Maße auszusetzen.

Immigrant subst. masc.
Ein unaufgeklärter Mensch, der ein Land für besser als ein anderes hält.


Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) sagt in seinen »Sudelbücher« genannten Tagebüchern:

Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?

Sie schreiben aus Vaterlandsliebe Zeugs, worüber man unser liebes Vaterland auslacht.

Ich bin überzeugt, man liebt sich nicht bloß in andern, sondern haßt sich auch in andern.


Ach ja, Goethe (1749-1832) darf natürlich auch nicht fehlen:

Der Patriotismus verdirbt die Geschichte.
Zitiert nach »PM«, nähere Daten nicht bekannt

... und noch etwas mehr Goethe, zitiert nach dem köstlichen Büchlein "Leser fragen - Goethe antwortet" von Manfred Wolf (Hg.):

Die Deutschen sind wunderliche Leute! Sie machen sich über ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen und überall hineinlegen, das Leben schwerer als billig. Ei, so habt doch endlich mal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben, euch ergötzen zu lassen, euch rühren zu lassen, euch erheben zu lassen, ja euch belehren und zu etwas großem entflammen und ermutigen zu lassen, aber denkt nicht immer, es wäre alles eitel, wenn es nicht irgend abstrakter Gedanke und Idee wäre.
Zu Eckermann am 6. 6. 1827

Denn es ist einmal die Bestimmung der Deutschen, sich zum Repräsentanten der sämtlichen Weltbürger zu erheben.
In einem Brief an J. L. Büchler am 14. 6. 1820
Anm.: Arschloch!

Die lieben Deutschen kenn ich schon; erst schweigen sie, dann mäkeln sie, dann beseitigen sie, dann bestehlen und verschweigen sie.
Zu F. W. Riemer am 29. 8. 1816

Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß ein Land nicht zu finden; wo das Gelehrte beginnt, hört das Politische auf.
Xenien, 1796
Anm.: Ich nehme das "Arschloch" zurück.


Selbstverständlich haben sie alle noch sehr viel mehr geschrieben, aber zu diesem Thema kenne ich keine weiteren Zitate.

Aber von anderen Autoren:

Patriotismus ist die Tugend der Bosheit. - Oskar Wilde (engl. Schriftsteller)

Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind. Der Weltraum und die menschliche Dummheit. Beim Weltraum bin ich mir aber noch nicht sicher. - Albert Einstein, dt. Physiker (1879-1955)

Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird. - Christian Morgenstern, dt. Dichter (1871-1914)

Menschen, die sich überall zu Hause fühlen, wenn sie verreisen, verdienen auch sonst nicht viel Vertrauen. - George Bernard Shaw, anglo-irischer Schriftsteller (1856-1950)
(... um auch mal jemanden zu Wort kommen zu lassen, dessen Meinung ich in diesem Punkt nicht teile.)

Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muß, oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind. - Kurt Tucholsky

In Deutschland wählte der Patriotismus die aggressive Form. Die Liebe zum Heimischen kleidete sich in Haß gegen Fremdes. - Walther Rathenau (1867-1922), dtsch. Politiker und Schriftsteller


(Wird fortgesetzt.)